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        <title>peter dinzelbacher - Nachrichten</title>
        <link>http://peter-dinzelbacher.mozello.de/nachrichten/</link>
        <description>peter dinzelbacher - Nachrichten</description>
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                <pubDate>Thu, 30 Jan 2020 21:14:00 +0000</pubDate>
                <description>&lt;div&gt;1&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Rolf Kaufmann (Zürich) über die Bewußtseinsentwicklung der westlichen Welt:&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Quo vadis?&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 14px;&quot;&gt;Der renommierte englische Historiker Ian Kershaw legt wieder ein brillantes Buch&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;über Europa&amp;nbsp;&lt;span style=&quot;font-family: Greycliff, Arial, Helvetica, sans-serif; font-size: 14px; font-style: normal; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-weight: 400;&quot;&gt;1950 bis heute&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;font-size: 14px;&quot;&gt;vor. Es ist flüssig geschrieben, informativ, sorgfältig recherchiert, aus-&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gewogen im Urteil und bleibt trotz der 828 Seiten spannend bis zum Schluss.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Im Detail habe ich nichts auszusetzen; ich bemängle aber etwas Grundsätzliches:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Geschichte Europas wird als Fahrt auf einer Achterbahn dargestellt. Das ist&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;m.E. verfehlt; Europas Geschichte passt nicht zu einem Vergnügungspark.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Im Zusammenhang der Bewusstseinsevolution (BE) legt sich ein anderer Titel&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nahe: „Quo vadis? Europa von 1950 bis heute.“&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der folgende Artikel stellt die Geschichte Europas in den Kontext der BE.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Einleitung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Quo vadis?&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;„Quo vadis?“ Die berühmte Frage stammt aus den apokryphen Petrusakten: Auf der Flucht&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;aus Rom sieht Petrus beim Stadttor den Auferstandenen in die Stadt hineingehen. Er-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;staunt fragt er: „Domine, quo vadis (Herr, wohin gehst du)?“ Das folgende Gespräch be-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wegt den Apostel, nach Rom zurückzukehren, wo er zum Märtyrer wird.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Legende spiegelt den Glauben wider, Märtyrer seien das Fundament der Kirche.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Fast zwei Jahrtausende später, am 1. Oktober 2019, fragt ein NZZ-Podium in Brüssel:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;„Europa, quo vadis?“ Europa bangt um seine Zukunft. Jan Assmann, em. Professor für&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Religions- und Kulturwissenschaft, appelliert an die Zuhörer: „Was wir brauchen, ist eine&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Idee, ein Ziel von starker Bindekraft, ein europäisches Wir, ein Bewusstsein von Zusam-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;mengehörigkeit, Vertrauen, Solidarität und Hilfeleistung, wie es sich gründet auf die Erin-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nerung an das, was wir durchgemacht und was wir erreicht haben und nicht wieder&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;aufgeben dürfen“ (NZZ, 18. 10. 2019).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Was hat Europa erreicht, und was darf es nicht wieder preisgeben? Darum geht es nun.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Europa und die Achterbahn&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der Vergleich von Europas Geschichte mit der Fahrt auf einer Achterbahn ist nicht nur we-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gen der Assoziation zum Vergnügungspark nicht stimmig; er hinkt auch im Blick auf das&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ende. Kershaw gesteht: „Trotz aller Anspannung und Erregung fährt eine Achterbahn auf&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;einem Schienenstrang eine feststehende Runde zum bekannten Endpunkt“ (9).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Heil am Ziel angekommen, ruft man erleichtert: „Uff!“ Doch der Blick auf Europas Zukunft&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;lässt nicht aufatmen. Kershaw: „Was in den kommenden Jahrzehnten geschehen wird,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;kann niemand wissen. Die einzige Gewissheit ist die Ungewissheit. Das moderne Leben&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wird weiterhin von Unsicherheit gekennzeichnet sein, und wie bisher wird die Geschichte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Europas weiter Drehungen und Wendungen, Aufs und Abs vollführen (774).“&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ist Europas Schicksal das jenes Turms, den ein Kind mit Hingabe baute und dann&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;mutwillig wieder umwarf? Bestimmt die launische Fortuna Europas Zukunft?&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;2&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wie kam Kershaw zum Bild der Achterbahn? Es entstand im Gespräch mit einem befreun-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;deten Ehepaar: „Wir zerbrachen uns den Kopf darüber, mit welchem Bild man die Unwäg-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;barkeiten der europäischen Geschichte der letzten sieben Jahrzehnte assoziieren&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;könnte“ (775). Der Dame fiel die Achterbahn ein, mit Erfolg: „Das Bild erfasst die Wechsel-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;haftigkeit, die atemberaubenden Augenblicke und das Gefühl, von unbeherrschbaren&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kräften mitgerissen zu werden“ (10). In dieser Hinsicht ist das Bild stimmig.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Aber das genügt nicht. Die Hauptsache ist das Ziel; ohne Ziel keine Orientierung.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) hatte noch ein Ziel, seinen „Punkt Omega“. Doch&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;er war Archäologe und Jesuit, also der Religion und der Wissenschaft verpflichtet.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ein mühsamer Spagat! Wer übt ihn noch? Die Zeiten haben sich geändert.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wandel im Zukunftsbild&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Veränderung des Bildes von der Zukunft schildert Karl Löwith (1897-1973) in seinem&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Klassiker: „Weltgeschichte und Heilsgeschehen; die theologischen Voraussetzungen der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Geschichtsphilosophie“ (1953): Der Glaube an ein Gottesreich am Ende der Zeit wurde in&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;der Neuzeit säkularisiert. Die Verweltlichung der religiösen Vorstellung zeigt sich etwa bei&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;G. W. F. Hegel (1770-1831), der in den Idealen der Französischen Revolution das Ende&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;der dialektisch verlaufenden Geschichte herannahen sah. Er glaubte, der Antagonismus:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;„These ➞ Antithese“ werde ersetzt durch die Synthese, die Vollendung der Geschichte.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Mit dem Zeitalter der Menschenrechte, der Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Brüder-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;lichkeit begann für Hegel das langersehnte Ende der Weltgeschichte.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Doch bei der Umsetzung dieses Glaubens haperte es. Korruption, Neophobie und nackte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Barbarei behinderten den Fortschritt. Viele begannen daran zu zweifeln, ob die Geschichte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ein Ziel habe. Schliesslich warf man diese Vorstellung über Bord: „Dass wir die Geschichte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;im ganzen auf Sinn und Unsinn hin befragen, ist geschichtlich bedingt: Jüdisches und&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;christliches Denken haben diese masslose Frage ins Leben gerufen. Nach dem Sinn der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Geschichte zu fragen, überschreitet alles Wissen-Können“ (Löwith, 14).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dieses agnostische Statement machte in Europa Schule. Jahrtausendelang hatte man&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;kindlich geglaubt, die Geschichte ende mit dem Gottesreich. Der aufgeklärte Mensch ist&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nicht mehr so naiv. Jetzt heisst es: „Die einzige Gewissheit ist die Ungewissheit“(774).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zurzeit ereignet sich ein fundamentaler Mentalitätswandel, ein radikaler Umbruch.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Um diesen zu verstehen, nehmen wir nun einen Perspektivenwechsel vor.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Perspektivenwechsel&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wir verlassen die kurzfristige Sichtweise und stellen die heutige geistige Umwälzung in&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;den Zusammenhang der BE. Mit dieser Methode gelang Obrist die Entdeckung der Muta-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;tion des Bewusstseins: Zurzeit zerfällt ein uraltes Weltbild und weicht einem ganz neuen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Daseinsgefühl. Der Wandel ist ein „Stirb und Werde!“ von epochalem Ausmass.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Den Perspektivenwechsel illustrieren zwei Diagramme, die das Verständnis der folgenden&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kapitel erleichtern sollen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das erste zeigt die Gesamtevolution. Diese begann mit dem Big Bang. In ihrem Verlauf&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;bildete sich ein zunehmend komplexeres Universum. Zuerst war nur ungeformte Energie;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dann entstanden geformte Atome, Moleküle, unbewusstes und bewusstes Leben:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;3&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das zweite Diagramm schliesst nahtlos ans erste an. Es zeigt die BE, die mit dem Little&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Bang begann. Bewusstsein entstand wohl bei den Säugern und erreichte bei den Primaten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;einen ersten Höhepunkt: Schimpansen erkennen sich selbst im Spiegel. Damit fulgurierte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;das bewusste Ich; der Anfang von Selbsterkenntnis blitzte kurz auf. Beim Menschen schritt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;die Entwicklung weiter, mit dem Ziel, ihn zu einem Wesen zu formen, das sich und die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Welt immer klarer erkennt und sein Tun und Lassen zunehmend bewusster verantwortet:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die BE macht den Menschen zum Kulturwesen. Der Mensch steht zurzeit, gesamthaft&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gesehen, auf der zweitobersten Stufe. Es beginnt zu tagen, aber sehr, sehr langsam…&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wenn der Mensch den Aufstieg auf die letzte Stufe hinauf noch lange verschläft, wird er&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ein böses Erwachen erleben.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zeit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Evolution:&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tendenz nach zunehmender&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Komplexität&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Little Bang: Bei hoch organisierten&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Säugetieren keimt Bewusstsein.&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;keimendes Bewusstsein bei Schimpansen&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wenig entwickeltes menschliches Bewusstsein&lt;/div&gt;&lt;div&gt;(«unbewusst» leben)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;halb entwickeltes menschliches Bewusstsein&lt;/div&gt;&lt;div&gt;(«halbbewusst» leben)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;hoch entwickeltes menschliches Bewusstsein&lt;/div&gt;&lt;div&gt;(«bewusst» leben)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zeit:&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Evolution der raumzeit-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;lichen Wirklichkeit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tendenz zu zunehmender&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Komplexität&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diagramm der Gesamtevolution&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Big Bang 5 10 15&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;(Millarden Jahre)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Atome Moleküle Unbewusstes&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Leben&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Leben mit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Bewusstsein&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;4&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Phänomen der BE&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gegner&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Entdeckung der BE fand nicht jene Beachtung, die sie verdient. Warum? Existiert sie&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gar nicht? Oder gibt es Gegner, die davon profitieren, wenn sie totgeschwiegen wird?&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Hier eine Handvoll Feinde: Die 1. Religion, 2. die Neophobie, 3. der Nihilismus, 4. die Kor-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ruption, 5. die Ansicht der Gleichwertigkeit aller Kulturen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;1. Die Religion lehnt die BE ab, weil sie spürt, dass deren Anerkennung den Ast absägen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;würde, auf dem sie sitzt. Denn wenn es sie gäbe, müsste die Offenbarung ja immer wieder&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;neu formuliert werden. Ein solches Ansinnen würde hohe Würdenträger überfordern. Denn&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;diese sind grundsätzlich konservativ eingestellt; ihr Blick ist rückwärts gewandt, fixiert auf&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;die goldene Ursprungszeit ihrer Religion. Die Idee einer BE widerspricht dem zentralen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;religiösen Dogma, die Offenbarung sei über den Wandel der Zeit erhaben.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zur Illustration zwei Beispiele: Sämtliche Mitarbeiter der katholischen Kirche mussten im&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;20. Jh. den Anti-Modernisten-Eid leisten. Darin wurde u.a. auch Charles Darwin (1809-82)&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;verdammt, der Entdecker der Bio-Evolution. Willy Obrist (1918-2013), dem Entdecker der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;BE, erging es ähnlich: Zuerst nahmen fortschrittliche Theologen die Entdeckung zwar&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;begeistert auf; doch als die Kirchenleitung deren Folgen erkannte, wurde Obrist konse-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;quent totgeschwiegen (es funktionierte auch ohne Anti-Modernisten-Eid).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;2. Die Neophobie. Die Angst vor Neuem wurzelt in einem schwachen, noch unentwickelten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Denken, das sich angesichts neuer Situationen überfordert fühlt und mit Abwehr reagiert.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Neophobie ist ein Bildungsproblem: „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.“ Da&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Neues Angst macht, halten Neophobe am Alten fest, auch wenn dieses schwer zu ertra-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gen ist; sie befürchten nämlich, das Neue sei noch schlimmer.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Neophobe können Neues nicht sachlich prüfen. Aufgrund ihrer Ich-Schwäche sind sie&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;grundsätzlich ängstlich und misstrauisch. Es ist darum eine Hauptaufgabe der UNESCO,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;eigenständiges Denken und die damit verbundene Ich-Stärke global zu fördern.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;3. Der Nihilismus vertritt den Standpunkt, alles Geschehen sei letztlich sinnlos und beruhe&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;auf Zufall. Das widerspricht der BE, die ein Ziel verfolgt: zunehmende Bewusstwerdung.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;4. Die Korruption boykottiert die BE aus Machtgründen. Die Wahrheit ist Nebensache.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;5. Die Ansicht der Gleichwertigkeit aller Kulturen lehnt die BE aus löblichen Gründen ab:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Sie möchte den Chauvinismus der Kolonialzeit überwinden. Alte Kulturen wurden einst von&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Europäern als „primitiv“ und „rückständig“ abqualifiziert. Diese überhebliche Einstellung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wird seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Argument bekämpft, alle Kulturen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;seien gleichwertig. In der UNO wird nicht von „unterentwickelten“ Völkern gesprochen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wer gegen diese Regel verstösst, wird zur persona non grata.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die pauschale Gleichmacherei behindert den Fortschritt; sie schüttet das Kind mitsamt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dem Bade aus. Denn nicht alle Kulturen haben dasselbe geistige Niveau. Dieses lässt sich&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;am Unterscheidungsvermögen ablesen, das in ihr herrscht: Je differenzierter das Denken&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ist, desto weiter ist die BE fortgeschritten. Gewisse Kulturen haben Nachholbedarf: Sie&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;denken noch vor-kopernikanisch und lehnen die Entdeckung des Kopernikus (1473-1543)&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ab, der Kirchenmann und Astronom war. Den mühsamen Spagat zwischen Wissen und&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Glauben schaffen sie nicht; sie leben noch im archaisch-mythischen Weltbild.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Idee der Gleichwertigkeit bewirkt, dass es sich eine Kultur ungestraft leisten kann,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Darwin zu verteufeln und ihre Gesetzgebung nicht an die Menschenrechte anzupassen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;5&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Nachweis der BE&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ein Nachweis der BE gelang Willy Obrist (1918-2012) vor einem halben Jahrhundert, als&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;er versuchte, die Krise der Religion zu ergründen und dafür zahllose alte Weltbilder mit&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;einander verglich. Da fiel ihm auf, dass sie alle dasselbe duale Grundmuster besassen:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Von der Altsteinzeit bis weit in die Neuzeit hinein glaubte man, es gebe zwei Welten, das&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diesseits und das Jenseits. Obrist nannte dieses Weltbild archaisch-mythisch (archaisch,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;weil es uralt ist, und mythisch, weil es auf Mythen basiert).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Entstehung des dualen Weltbilds war für ihn als Tiefenpsychologen leicht zu erklären.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Alten konnten Inneres und Äusseres nicht klar von einander unterscheiden. Innere&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kräfte, die sich ihnen in Träumen, Visionen und Fantasien zeigten, projizierten sie nach&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;aussen und hielten sie für jenseitige Mächte. Sie verstanden Bilder ihrer Psyche tels quels;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sie fassten sie konkretistisch auf, wie ein Kind, das noch an Märchen glaubt. Die Projek-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;tion konnte beim damaligen Stand der BE noch nicht durchschaut werden. Dazu war erst&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;die moderne Wissenschaft in der Lage, insbesondere die Tiefenpsychologie.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die empirisch fundierte Entdeckung der Projektion, die zur Überwindung des dualen Welt-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;bilds führte, ist ein Quantensprung, ein Mega-Schritt der BE. Dieser führt zum allmählichen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Verblassen und schliesslich zum gänzlichen Verschwinden des Jenseits.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Nun bleibt nur noch „diese Welt“… Für die Religion ist die Mutation des Bewusstseins&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;tödlich. Die Krise der Religion ist die Folge eines Mega-Schritts der BE.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Sprachentwicklung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ein anderer Nachweis der BE ergibt sich aus Überlegungen zur Entwicklung der Sprache,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;die sich parallel zur BE vollzieht. Sprachentwicklung, intellektuelle Differenzierung und BE&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gehen Hand in Hand. Der Mensch lernt zusehends, sich rein sprachlich auszudrücken; er&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;muss nicht mehr „mit Händen und Füssen reden“ und überwindet so das ursprüngliche&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;leibliche Vormachen. Mit dem Weiterschreiten der Bewusstwerdung wächst der Sprach-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;schatz. Die Sprache ist das erste Kulturdepot. Sie macht den Menschen zum Kulturwesen,&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;das seinen Instinktmangel mit kulturellen Errungenschaften kompensiert.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Wort „Kulturwesen“ adelt, bewahrt aber nicht vor Abstürzen und Rückfällen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Abstürze&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Erwachsene denken differenzierter als Kinder; dasselbe gilt für das Denken der Moderne&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;im Vergleich zu früher, als nur eine Minderheit rational argumentieren konnte.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Doch auch differenziert Denkende handeln oft nicht auf jener Höhe, auf der sie sich nor-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;malerweise bewegen. Emotionen lassen sie bisweilen auf ein tieferes Niveau abstürzen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das kann auch einem ganzen Kollektiv widerfahren. So regredierte Deutschland 1933 im&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wahn des Tausendjährigen Reiches in die archaische Identität mit dem Führer. Der Spuk&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dauerte nicht tausend, sondern nur zwölf Jahre. 1945 kam das böse, beschämende&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Erwachen, dessen Folgen noch heute nachwirken.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vor Abstürzen ist niemand gefeit; Emotionen sind oft stärker als die gute Kinderstube.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Für einen guten Umgang mit Gefühlen ist die Tiefenpsychologie eine Hilfe; sie lehrt, diese&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nicht zu verdrängen, sondern bewusst zu machen, zu akzeptieren und verantwortlich ins&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Leben zu integrieren. Ihre Psychagogik zeigt konkret, wie sich die positiven Kräfte der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Emotionen von den negativen trennen lassen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der Individuationsprozess macht natürlich, ohne dass das kulturelle Niveau preisgegeben&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;werden muss. Bewusstwerdung macht bescheiden. Sie ist eine diffizile alchemistische&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Prozedur, die versucht, aus primitiver Materie Gold zu gewinnen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;6&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Innere Bilder einst und heute&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Anhand zweier Beispiele soll der tief greifende Wandel im Verständnis innerer Bilder zur&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Darstellung gelangen. Es geht um die Nahtoderfahrung und die Jenseitsreise des Pharao.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;1. Die Nahtoderfahrung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Menschen in Todesnähe erleben oft das innere Bild, dass sie durch einen dunklen Tunnel&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gezwängt werden und dann in eine lichtdurchflutete, paradiesische Landschaft gelangen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Erfahrung dieses Bildes ist unvergesslich und nimmt die Angst vor dem Tod, sodass&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;viele zuerst nicht mehr ins frühere, für sie schal gewordene Leben zurückkehren wollen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Da innere Bilder einst wortwörtlich genommen wurden, hielt man das innerlich Geschaute&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;für äusserlich real; bei Nahtoderfahrungen glaubte man, einen Vorgeschmack der Seligkeit&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;zu erleben. Während der Nahtoderfahrung selbst glaubt man das heute noch, auch als&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tiefenpsychologe; denn das Bewusstsein befindet sich dann in einem Abaissement du&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Niveau mental. Die Einsicht, dass es sich um eine innere Erfahrung handelt, dämmert erst&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nach dem Abklingen des Erlebnisses auf, wenn sich das Ich wieder auf dem Niveau des&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;21. Jh.s befindet. Dann wird Informierten klar, dass man ein inneres Bild erlebte.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Bei einer Freitodbegleitung durfte ich einmal eine Nahtoderfahrung von aussen miterleben.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die sterbende Person war schon tief bewusstlos und atmete kaum mehr. Dann ereignete&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sich ein REM (Rapid-Eye-Movement): Augen und Lippen bewegten sich, und das Gesicht&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;entspannte sich. Sie hatte einen Traum. Dann hörte das Herz auf zu schlagen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Früher hätte man geglaubt, sie habe kurz vor dem Tod schon nach drüben geblickt. Heute&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wissen wir, dass sie ein letztes Mal in ihren Seelengrund hinab blickte, bevor ihr Bewusst-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sein erlosch und sich ihr Seelengrund aufzulösen begann.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dass es beim Sterben nicht immer so friedlich zu und her geht, erlebte ich ein andermal.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Da litt jemand grausame Qualen, trotz der vielen Opiate, die er zur Beruhigung erhalten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;hatte. Der Grund: Er hatte etwas auf dem Gewissen, das er niemandem anvertrauen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wollte. So wurde ihm das Sterben zur Hölle; im Delirium fasste er die Bilder konkretistisch&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;auf! Erst der Tod erlöste ihn von der Qual.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Solche Erlebnisse wurden in der sogenannten „Schwarzen Pädagogik“ der Alten weidlich&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ausgeschlachtet, um Kinder gefügig zu machen - für eine zeitgemässe Pädagogik eine&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;unvorstellbare Barbarei.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Fazit: Nahtoderfahrungen sind psychische Erlebnisse, bei denen uralte Bilder aus dem&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Unbewussten ins Bewusstsein aufsteigen. Die Bilder zeigen nicht ein äusseres, sondern&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;das innere Jenseits im menschlichen Seelengrund. Sie erleichtern das Sterben; sie sind&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;eine gnädige Einrichtung der Natur, die wohl nicht nur dem Menschen zugute kommt.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;2. Die Jenseitsreise des Pharao&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das zweite Beispiel für das alte und das zeitgemässe Verständnis innerer Bilder bilden die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ägyptischen Pyramiden. Diese wiesen einst auf die himmlische Abstammung des Pharao&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;hin. Die Bilder und Texte der Grabkammern zeigten den Gott-König auf dem Heimweg in&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;den Himmel. Das für die gefährliche Reise nötige Wissen verwalteten die Priester, deren&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;heilige Rituale den Verstorbenen sicher nach drüben geleiteten.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Da König und Land noch nicht klar differenziert waren, dienten die religiösen Zeremonien&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nicht nur dem Pharao, sondern Ägypten, das er repräsentierte.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Moderne Touristen verstehen nicht viel von dem, was sie kulturbeflissen bestaunen. Für&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sie war der Pharao kein Halbgott, sondern nur ein Mensch wie wir.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Damit hat sich’s, und weiter geht die Reise zur nächsten historischen Sehenswürdigkeit.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;7&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gefährliche Mixtur&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Pyramiden zeigen den alten Heilsweg. Dieser führte in den Himmel. Geweihte Priester&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;„begingen“ den Weg mit heiligen Ritualen. Daran beteiligte sich das ganze Kollektiv; die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zeremonie öffnete den Beteiligten den Weg in den Himmel.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der neue, völlig andere Heilsweg ist der Individuationsprozess.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die beiden Heilswege trennt die Mutation des Bewusstseins.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diese stiftet zurzeit heillose Verwirrung. Aus den alten Kollektiven, die uniform waren, ent-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;stand die moderne Multi-Kulti-Gesellschaft, eine kunterbunte, religiös-säkulare Mixtur aus&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;beiden Heilswegen. Einige denken archaisch, andere aufgeklärt, andere vermischen alles&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;oder haben keine Meinung. Das Kollektiv hat seine Funktion als geistige Heimat verloren.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Man lebt in einem geistigen Dschungel, ohne Kompass. Einen solchen fand Willy Obrist.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Mutation des Bewusstseins&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der erster Schritt der Mutation&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der erste Schritt war ein Mega-Schritt, der Sieg der Wissenschaft über das archaische&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Denken. Der Sieg wurde in einem langen, unerbittlich ausgefochtenen Kampf errungen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die folgende Abbildung fasst den Prozess kurz zusammen:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Aus archaischen Riten entwickelte sich die heutige Technik. Das führte zur Entzauberung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;der Welt (Max Weber, in: „Wissenschaft als Beruf“, 1919). Traditionsgebundenes Denken&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wandelte sich langsam in eine fortschrittliche Gesinnung; das statische Umkreisen der Of-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zeit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Evolution des&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Bewusstseins&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diagramm der Bewusstseinsevolution in Europa&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Little Bang 1‘500 2‘000&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tendenz zu zunehmender&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Komplexität&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tradition Fortschritt&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Statisches Denken Dynamisches Denken&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Mythologie Modernes Weltbild&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gottesrecht Menschenrecht&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Patriarchat Dialog der Geschlechter&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kollektiv-Religion (Glaubenszwang) Individuelle Spiritualität (Glaubensfreiheit)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Monarchie von Gottes Gnaden Demokratie (säkular)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kollektivgeist Selbstbestimmung (auch am Lebensende)&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Altertum, Mittelalter Neuzeit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;8&lt;/div&gt;&lt;div&gt;fenbarung mauserte sich zur dynamischen Einstellung der Wissenschaft, die keine ewigen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dogmen mehr kennt; denn jede Entdeckung ist die Voraussetzung für eine nächste. Heute&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ist alles im Fluss:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Aus dem Gottesrecht der Alten wurden die sich stets weiterentwickelnden Menschen-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;rechte. Zudem glaubt der moderne Mensch nicht mehr, die Welt sei von einem jenseitigen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wesen so erschaffen worden, wie sie sei und ewig bleibe. Nun weiss er, dass sich das&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Universum durch seine kreative Tendenz selber erschafft. Diktaturen und Monarchien von&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gottes Gnaden wandeln sich unaufhaltsam in säkulare Demokratien, und das Patriarchat&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;weicht allmählich der Idee der Gleichberechtigung beider Geschlechter.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diese mühsam erkämpften Errungenschaften sind wegen ihrer Vorteile irreversibel; ihr&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Siegeszug ist daher auf die Dauer - trotz aller Widerstände! - unaufhaltsam.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der erste Schritt der Mutation brachte ein völlig neues Lebensgefühl. Die westliche Welt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;erlebt zurzeit einen radikalen Mentalitätswandel, eine fundamentale Metamorphose des&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Daseinsverständnisses. Die religiöse Welt der Alten wandelt sich in die säkulare Moderne.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der Wandel ergriff zuerst nur Gebildete, erfasste aber später, infolge der Aufklärung und&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;der allgemeinen Schulpflicht, immer weitere Kreise der Bevölkerung. Dagegen wandten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sich Konservative, indem sie Schulhäuser besetzten, wie heute die Taliban in Afghanistan.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Doch hierzulande setzte sich die Neophobie nicht durch.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;So verblasste das Jenseits, und an die Stelle Gottes trat die Vernunft.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dieser Schritt hatte ungeahnte Folgen: Nach dem Verschwinden des Jenseits blieb nur&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;das Diesseits, „diese Welt hienieden“. Von dieser hiess es einst, sie bestehe - im Gegen-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;satz zum Himmel - aus geistloser Materie. Diese Auffassung lebt fort im Materialismus und&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Positivismus, die wähnen, nur der Mensch habe Geist. Materialisten und Positivisten sind&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Tüchtige, die glauben, die Welt managen zu können. Sie überschätzen ihre Vernunft:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Zeit&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Entwicklung&lt;/div&gt;&lt;div&gt;des Weltbildes&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vom mythischen zum positivistischen Weltbild&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Entwicklung&lt;/div&gt;&lt;div&gt;des Bewusstseins&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;1500&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Jenseits&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diesseits&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vernunft&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Welt&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;1750 2000&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;archaisch-mythisches Weltbild&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;positivistisches Weltbild&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;9&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Deshalb stellt Obrist die positivistisch-rationalistische Einstellung als aufgeblähten Kopf&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dar: Die Vernunft erfährt hier eine Inflation, die zu einem kopflastigen Lebensstil führt.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der globale Nachvollzug der positiven Seiten des ersten Schritts dürfte noch Jahrhunderte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dauern und ähnlich erbitterte Kämpfe entfachen wie im alten Europa. Andererseits ist die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Neophobie heute weniger ausgeprägt als früher. Dem steht entgegen, dass die Religion&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;den Schritt in die Moderne mit aller Kraft bekämpft, im Wahn, sie sei im Besitz der ewigen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wahrheit. Die Gegner der BE sind nach wie vor am Werk.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der zweite Schritt der Mutation&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der zweite Schritt, wiederum ein Mega-Schritt, wird heute zusehends spürbar. Das zeigt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;etwa der Erfolg des Buches von L. Boff und M. Hathaway: „Befreite Schöpfung - Kosmolo-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gie, Ökologie, Spiritualität“. In dieselbe Richtung weist die Ende 2019 erfolgte Ernennung&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Greta Thunbergs zur „Persönlichkeit des Jahres“ sowie das Versprechen der EU anfangs&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;2020, bis 2050 klimaneutral zu werden. Wir dürfen allerdings nicht übersehen, dass der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Klima-Aktivismus nur ein kleiner Ausschnitt aus dem zweiten Mega-Schritt ist.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dieser Schritt beginnt mit einer Wende nach innen, die das Ich mit dem Selbst und der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Natur verbindet. Träume, Intuitionen und das verdrängte „Bauchgefühl“ werden wieder&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wichtig, -auch für Manager, die bis vor kurzem eingefleischte Positivisten waren. Zudem&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wird Religiosität wieder ein Thema. Da das Wort „religiös“ aber einen traditionalistischen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Touch hat, spricht man besser von Spiritualität. Dabei geht es nicht mehr um den Kontakt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;zum Jenseits, sondern um die Verbindung zum Selbst und zur Natur.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Diese Verbindung nennt Erich Neumann die Ich-Selbst-Achse.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Was C. G. Jung unter Ich und Selbst verstand, zeigt sein Psyche-Modell (dargestellt von&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;seiner Schülerin M. L. von Franz):&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;10&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Ich ist hier ein heller Fleck auf der Psyche, der beim Kind - bzw. am Anfang der BE -&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;noch klein ist, aber zusehends wächst.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Im Gegensatz zum tiefenpsychologischen Psyche-Modell dominiert das Ich im Positivis-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;mus alle andern psychischen Kräfte; es ist die „Krone der Schöpfung“. Der Positivist hat&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;alles im Griff. Dass dem nicht so ist, erfuhr C. G. Jung an sich selbst und in der Arbeit als&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Psychotherapeut. Er erkannte, dass im Unbewussten eine Führungsinstanz wirkt, die das&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ich an langer Leine durchs Leben begleitet; er nannte diese das Selbst.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Unterscheidung von Ich und Selbst weist auf einen Mega-Schritt der BE hin.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wer diesen nachvollzieht, schliesst auf zur Spitze der BE.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Selbst ist älter als das Ich. Bei einer belebten Ich-Selbst-Achse erhält das Ich Anteil&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;an der kreativen Tendenz des Selbst, das hilfreiche Träume komponiert und neue Ideen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;schenkt. Kreativität ist genau genommen keine Leistung des Ichs, sondern das Ergebnis&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;einer lebendigen Ich-Selbst-Achse, das Resultat der Öffnung des Ichs gegenüber dem&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Selbst. Die Vernunft allein ist nicht kreativ, sondern auf Einfälle aus dem Unbewussten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;angewiesen. Durch Rückkoppelung mit dem Selbst kann sie die BE positiv beeinflussen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der zweite Schritt der Mutation führt zu einer neuen Auffassung dessen, was man „Geist“&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nennt. Geist ist nun ein Aspekt des Seins, dessen schöpferische Tendenz. Er thront nicht&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;mehr für sich im Himmel, sondern ist im Sein integriert. Das neue, integrale Weltbild ist&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;nicht mehr dual wie das alte, sondern unistisch. Der materielle und der geistige Aspekt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;bilden zusammen das für uns unfassbare Ganze des Seins (Kants „Ding an sich“).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Mutation als Doppelschritt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die beiden Schritte sind ein Doppelschritt. Der erste Halbschritt (links) brachte grosse&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Vorteile, auf die niemand verzichten kann, aber auch grosse Nachteile: In die durch den&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Untergang des dualen Weltbildes entstandene Lücke strömten säkulare Ideologien als Re-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ligionsersatz, sog. „-ismen“: So mutierte der Weihnachtsglaube zum Konsumismus und&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;der alte Heilsweg zum Tourismus. Anstelle des Jenseits herrschen Nationalismus, Kom-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;munismus, Kapitalismus, Materialismus etc..&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der zweite Halbschritt (rechts) führt zu vertiefter Selbsterkenntnis, Meditation und Verant-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wortung gegenüber der Natur in und um uns. Sein Nachvollzug dürfte wieder Jahrhunderte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dauern. In Demokratien wird er zunehmend mehrheitsfähig werden und veraltete politische&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Strukturen erneuern. So könnte man eine föderalistische Weltregierung mit demokratisch&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gewähltem Parlament aufbauen. Das europäische Wir von Jan Assmann würde dann zum&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;globalen Wir von Jo Leinen und Andreas Bummel (2017).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;11&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ausklang&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die logogenetische Regel&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In der biologischen Evolution wiederholt ein Lebewesen in seiner Entwicklung eilends die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;lange Entwicklung seiner Art; die Ontogenese repetiert die Phylogenese. Ernst Haeckel&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;(1834-1919) nannte diese Einrichtung das biogenetische Grundgesetz (bios: Leben).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Analog dazu eignet sich der Mensch in der geistigen Entwicklung die kulturellen Errungen-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;schaften seines Kollektivs an. In Anlehnung an Haeckel nenne ich das die logogenetische&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Regel (logos: Geist, Wort, Kultur). Der Mensch wird ein Glied seines Kollektivs, indem er&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;dessen Kulturgut durch individuelles Lernen assimiliert.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die logogenetische Regel funktioniert dank dem Lerneifer der Kleinen und der Lust der&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Grossen, zu zeigen, wie es geht. Das ermöglicht den Nachvollzug der BE.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Obrist-Zitat&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Es folgt nun noch ein Zitat aus dem letzten Kapitel des letzten (nicht veröffentlichten)&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Buches von Willy Obrist, das er kurz vor seinem Tode schrieb:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;Bilanz und Ausblick&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In Europa hat die Evolution des Bewusstseins zu Beginn der Neuzeit dazu ange-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;setzt, die archaische Weltsicht zu übersteigen. In den anderen Grossreichen hin-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;gegen begann sie zur gleichen Zeit zu stagnieren.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In China …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In Indien …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Byzantinische Reich schied schon zu Beginn der Neuzeit aus der Geschichte&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;aus. Die Osmanen, die es beseitigten, beschränkten sich auf die Entfaltungen von&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Macht und Prunk. Für die Förderung der BE, die unter den arabischen Kalifen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;durch die Unterdrückung der Mutaziliten abgewürgt worden war, geschah auch un-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ter den Osmanen nichts.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Ganz anders war die Situation in Europa. …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Während in den älteren Reichen der damaligen Welt die Evolution des Bewusst-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;seins zu stagnieren begann, ereignete sich in Europa ein geistiger Aufbruch. Un-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;übersehbar wurde dieser ab dem 14. Jh. in Gestalt von Renaissance und Reforma-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;tion, medialer Revolution und maritimer Expansion. …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Heute, da das neue Welt- und Menschenbild erkannt werden kann, können wir den&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Weg betrachten, auf dem der Wandel sich vollzog:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wie gezeigt, geschah es im Rahmen des Bildungssystems. …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Entscheidend für das Vorankommen der BE war die Gründung der Universität.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Charakteristisch für deren Grundstruktur war zum einen, dass sie auf dem genos-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;senschaftlichen Denken beruhte, zum andern, dass sie in Fakultäten unterteilt war.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dank ihrer genossenschaftlichen Struktur konnte die Universität sich über all die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wirren der Zeit ihre relative Autonomie bewahren, und die Unterteilung in sich sel-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ber organisierende Fakultäten ermöglichte es ihr, im Laufe der Zeit neu entstande-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ne Forschungsrichtungen in sich aufzunehmen, und zwar so, dass sich jede von&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ihnen als selbständige Disziplin entwickeln konnte. …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In diesem geistigen Raum konnte sich … die Mutation des Bewusstseins ereignen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Ergebnisse des ersten Schritts der Bewusstseinsevolution haben sich bereits&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;über alle Kontinente ausgebreitet; es waren vor allem Ergebnisse naturwissen-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;12&lt;/div&gt;&lt;div&gt;schaftlichen Forschens und technologischen Bemühens. Allerdings wurden diese&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;meistens so übernommen, als wären sie an den Bäumen gewachsen. Das Know-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;how, das zu ihrer Gewinnung nötig war und die Konsequenzen, die sie für die&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Weltsicht hatten, wurden dabei in der Regel ausgeblendet. …&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Es ist zu erwarten, dass sich der vollständige Nachvollzug beider Schritte der Be-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;wusstseins-Mutation über lange Zeit hinziehen wird. Dies zum einen wegen der tief&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sitzenden Neophobie, zum andern, weil allzu viele Menschen von ihrem Eingebun-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;densein in Strukturen der archaischen Weltsicht Macht, Prestige sowie finanziellen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Gewinn beziehen. Doch Evolutionsschritte, auch die des Bewusstseins, sind irre-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;versibel. Die Evolutionstendenz ist eine Naturgewalt, die sich auf die Dauer nicht&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;aufhalten lässt (134-136).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Quo vadis?&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die eingangs gestellte Frage, was Europa erreicht habe und nicht preisgeben dürfe, lässt&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;sich nun klar beantworten: Die BE führte im Europa der Neuzeit mit zwei Mega-Schritten&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;zu einer Mutation des Bewusstseins; das naive Weltbild der Alten wandelte sich dadurch in&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;ein empirisch fundiertes Daseinsverständnis. Die neue Spiritualität ist ein vollwertiger Er-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;satz für die alte Religion.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Nun gilt es, die Entwicklung an der Spitze global nachzuvollziehen. Die Menschheit über-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;lebt nur, wenn sie zur Spitze der BE aufschliesst. Den Nachvollzug können wir unter-&lt;/div&gt;&lt;div&gt;stützen. Das macht Sinn. Dann leben wir für etwas, das grösser ist als wir: für die Zukunft&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;von Homo sapiens.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Weiterführende Literatur&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Boff, L. / Hathaway, M.: „Befreite Schöpfung - Kosmologie, Ökologie, Spiritualität“ (2016).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Crisan, H.: „Die prä- und perinatale Psychologie der Mentalitätsentwicklung“, in:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;Janus, L.: „Die Psychologie der Mentalitätsentwicklung - vom archaischen&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;zum modernen Bewusstsein“ (Berlin 2013, S. 111-172).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Erd-Charta. Deutsche Übersetzung (Diemelstadt-Wethen, 42013. www.erdcharta.de).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Dinzelbacher, P. / Harrer, F.: „Wandlungsprozesse der Mentalitätsgeschichte“ (DWV 2015).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;: „Vision und Magie. Religiöses Erleben im Mittelalter“ (Schöningh 2019).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Kaufmann, R.: „Monotheismus. Entstehung, Zerfall, Wandlung“ (opus-magnum 2015).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;: „Am Puls der Evolution“ (opus-magnum 2010).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Leinen, J. / Bummel, A.: „Das demokratische Weltparlament“ (2017; www.dietz-verlag.de).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Löwith, K.: „Weltgeschichte und Heilsgeschehen.“ Stuttgart (1953).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Neumann, E.: Ursprungsgeschichte des Bewusstseins.“ Zürich 1949.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Obrist, W.: „Die Mutation des Bewusstseins.“ Peter Lang, 1980. www.opus magnum.de.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;: „Archetypen: Natur- und Kulturwissenschaften bestätigen C. G. Jung (1990);&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;neu bei opus magnum als: „Das Unbewusste und das Bewusstsein“ (2013).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;: „Die Mutation des europ. Bewusstseins.“ Kurzfassung (opus magnum 2006).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;: „Die Mutation des Bewusstseins fand in Europa statt“ (2012).&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Walch, G.: „Wandlungen des Bewusstseins - E. Neumann&lt;/div&gt;</description>
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                <title>Willkommen Post</title>
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                <pubDate>Sat, 08 Jun 2019 18:56:39 +0000</pubDate>
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